Taiwan gewinnt Freunde beim Schachspiel

Vom 14. bis 16. Juni lud die Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland erstmals zu einem dreitägigen Schachwochenende in ihren Taiwan Kultursaal am Berliner Gendarmenmarkt ein. Schachmeister aus Deutschland und Österreich, junge Schachtalente aus Taiwan sowie auch kleine und große Schachexperten aus Berlin und anderen Teilen Deutschlands konnten gegeneinander antreten und ihr Können unter Beweis stellen.

Ziel der Veranstaltung war es, einerseits den Kulturaustausch zwischen Deutschland und Taiwan zu stärken und andererseits aufzuzeigen wie innovativ und kreativ Taiwans Kulturdiplomatie sein kann.

Um bei  möglichst vielen Schachliebhabern das Interesse zu wecken und dem Publikum darüber hinaus auch Taiwan näher zu bringen, hatte die Taipeh Vertretung den in der deutschen Schachwelt sehr bekannten Schachstar Elisabeth Pähtz, die Nummer 1 in der Rangliste der deutschen Schachspielerinnen,  die  Schachprofis,  Jan Gustafsson (Nr. 2/Deutschland/H) und Stefan Kindermann (Nr. 5/Österreich/H) sowie last but not least die talentierte Jugendschachspielerin Fiona Sieber (Nr. 7/Deutschland/F) eingeladen. Außerdem waren drei junge Schachspieler eines  taiwanischen Teams, Ching-Wei Yang, Po-Yen Min und Teamleiter Chung-Yu Lin, zur Veranstaltung eigens aus Taiwan angereist, um die Herausforderung der Schachgroßmeister aus Deutschland und Österreich  anzunehmen.

Bei der Eröffnung am Freitagabend spielte eine gut gelaunte Saxophon-Band zur Einstimmung der Gäste taiwanische Volkslieder. Taiwans Botschafter und Germanistikprofessor Jhy-Wey Shieh wies in seiner Begrüßung vor etwa hundert Gästen auf die berühmten Werke von Stefan Zweig - „Die Schachnovelle“ - und Theodor Fontane - „Schach von Wuthenow“ - hin , um die Bedeutung des Schachspiels in der deutschen Literatur zu zeigen.

GM Stefan Kindermann, der auch Mitbegründer der Münchner Schachakademie ist, sprach in einem Vortrag am Freitagabend über die Bedeutung von Schachstrategien für Entscheidungsträger in der Wirtschaft und betonte dabei, dass Schach am Schnittpunkt zwischen dem kognitiven Prozess des Menschen und der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz steht. Im Anschluss bezeichnete Prof. Dr. Martin Wagener in seinem Vortrag Schach als Fundgrube für politische Strategien, bemerkte aber auch, dass politische Entscheidungen nicht nur durch ein rationales Kalkül geprägt, sondern auch von ideologischen Impulsen und dem Bürokratieapparat abhängig sind.

Während der anschließenden Diskussionsrunde unterstrich der Botschafter, dass Taiwan ein Land der Demokratie und der Freiheit sei, das universelle Werte wie Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit mit europäischen Ländern teile.

Allerdings werde Taiwan von China immer wieder mit Gewalt bedroht und auf internationaler Ebene unterdrückt. Prof. Dr. Shieh gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Schachveranstaltung dazu beitrage, Solidarität für Taiwan in der derzeitigen schwierigen politischen Lage zu wecken.

Im anschließenden Blindschach gewann GM Stefan Kindermann gegen die beiden Taiwaner Ching-Wei Yang und Po-Yen Min. Die einzelnen Züge wurden von Frau Pähtz anschaulich kommentiert und das Publikum applaudierte begeistert.

Am Samstag und am Sonntag traten die drei Schachprofis - Jan Gustafsson, Elisabeth Pähtz und Fiona Sieber - im Simultanschach jeweils gegen 30 Teilnehmer an. Die drei taiwanischen Schachspieler nahmen ebenfalls daran teil. Die drei Partien dauerten mehr als vier Stunden: GM Gustafsson erzielt 25,5, Punkte, das heißt, er gewann 25 Spiele und spielt ein Remis. WGM Elisabeth Pähtz erreichte 26,5 und WIM Fiona Sieber 27,5 Punkte.

Zum Abschluss konnten die Gäste kulinarische Spezialitäten aus Taiwan probieren und an einer Tombola teilnehmen mit der Chance, taiwanische High-Tech-Produkte zu gewinnen, z.B. ASUS und Acer Tablets, Wlan-Kopfhörer und USB-Sticks. Der Taiwan Kultursaal war während der dreitägigen Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmern sehr gut besucht und erhielt auch aus der deutschen Schachcommunity positive Resonanz.