Live-Diskussion im Vorfeld des Berlin Taiwan Film Festivals 2020

Während des Interviews am 7. August sprach Botschafter Prof. Shieh frei auf Chinesisch, Englisch und Deutsch über seine persönlichen Filmerfahrungen und den Unterschied zwischen der großen Zahl sozial realistischer Filme von 1979 bis 1983 und der tatsächlichen Atmosphäre der Gesellschaft, wie sie in dem Dokumentarfilm "Taiwan Black Movies" des Regisseurs Hou Ji Ran gezeigt wird.

Der Botschafter erinnert sich: „Damals musste man vor Beginn der Vorführung aufstehen und die Nationalhymne singen, wenn man in Taiwan ins Kino ging. Nach meinem Studium in Deutschland konnte ich alles selbst kontrollieren, von der Frisur bis hin zu meinem Verhalten. Rückblickend wird mir klar, wie bedrückend die Atmosphäre während der Zeit des Kriegsrechts war. Von den schwarzen Filmen auf der Leinwand bis zum weißen Terror in der realen Welt waren die 70er Jahre eine Zeit, in der eine Atmosphäre der Unterdrückung herrschte, die zur Entstehung von Filmen mit solchen Gewaltszenen wie "Shanghai Social File" und "Wrong First Steps" führte.“

Botschafter Shieh glaubt, dass "ins Kino gehen" eine besondere Bedeutung in seinem Leben hat - und dass Filme für Menschen in verschiedenen Altersstufen und verschiedener Herkunft unterschiedliche Bedeutung haben. Vor allem, wenn mehr Nicht-Taiwaner durch die Filme der Berliner Taiwan-Film-Festspiele, die dieses Jahr vom 21. – 30. August stattfinden, einen besseren Zugang zu Taiwan erhalten können, werde dies dazu führen, dass durch Film als Medium der öffentlichen Unterhaltung ein tieferes Verständnis für Menschenrechte, Gender und andere Themen in Taiwan wachsen könne.

Über die Unterschiede zwischen Taiwan und China sagte Botschafter Shieh, dass in den letzten Jahren viele Menschen in den USA und Europa erkannt haben, dass Taiwan ein demokratisches Land ist und dass sich das System von dem Regime Chinas unterscheidet. Er fügte noch scherzhaft hinzu, dass er als Vertreter Taiwans in Deutschland nicht über die Verwirrung zwischen Taiwan und China beunruhigt ist, aber wenn seine Arbeit erfolgreich sei, werde sich der thailändische Botschafter eines Tages beschweren, dass die Leute an Taiwan denken, wenn sie Thailand hören.